Blumenhocker aus Eiche

Was gibt es schöneres, als mit seinen (Holz-)Werken anderen Menschen Freude zu bereiten. Ich habe mich daher sehr gefreut, als ich mich ein Kollege fragte, ob ich ihm nicht mal ein kleines Möbelstück bauen würde. 🙂

Er berichtete mir, dass er schon lange nach einem passenden Hocker für eine Pflanze sucht, der genau über einen schräg aus dem Bodem herausragenden Balken passt – leider erfolglos. Der Hocker soll natürlich zu der vorhandenen Einrichtung aus Eiche Massivholz Möbeln passen, was die Suche deutlich erschwerte. Ich konnte den Kollegen beruhigen: Ihm kann geholfen werden. Und ich habe mal wieder ein tolles Projekt für die Werkstatt.

Damit es hinterher auch den Erwartungen entspricht, habe ich erstmal ein Sketchup-Modell erstellt, nicht unbedingt wegen der anspruchsvollen Konstruktion, sondern mehr um vorab einen Eindruck vom fertigen Hocker zu haben.

Sketchup Modell zur Abstimmung des Entwurfs

Nicht nur das Design, auch die Dimensionen konnte wir so vorher prima festlegen. Nach „Freigabe“ durch den zukünftigen Eigentümer konnte ich das Holz besorgen. Da es nicht zu viel Aufwand sein sollte, habe ich beschlossen, mit fertigem Leimholz zu arbeiten – das erste mal, seit ich im Besitz meiner Hobelmaschine bin. Beim nächsten Besuch meines Holzhändlers landete also eine Platte Eiche-Leimholz, keilgezinkt und 18mm stark im Auto, das passt optisch am besten zu den anderen Möbeln im Raum.

Das Ausgangsmaterial

Der Hocker besteht aus drei Platten, die auf Gehrung verleimt werden und so ein auf dem Kopf stehendes „U“ bilden. Für eine höhere Stabilität wird mittig noch ein schmales Querholz eingebaut. Der Zuschnitt ist schnell erledigt: Aus eins mach vier. 🙂

Der grobe Zuschnitt ist erfolgt

Jetzt habe ich die Stücke so zusammengestellt, dass später die Maserung des Holzes außen um den Hocker gut passt. Die Teile habe ich dann mit Kreppband und Bleistift beschriftet. Der nächste Schritt ist der finale Zuschnitt – natürlich mit den Gehrungsschnitten im 45°-Winkel.

Zuschnitt der Gehrungen

Der Hocker mus natürlich auch mit dem Namen des Erbauers versehen werden, nur für den Fall, dass das Werk gelingt. 🙂

Der Brennstempel wird erhitzt
Logo auf dem Querholz

In den Gehrungen und bei der Befestigung des Querholzes kommen 20er Lamellos zum Einsatz. Diese habe ich im nächsten Schritt eingefräst. Angezeichnet habe ich wieder auf Kreppband, dann muss ich hinterher keine Markierungen wegschleifen.

Die Lamellos sind angezeichnet
Startklar für die Lamello-Fräsungen

Da die Platten mit 18mm recht schmal sind, habe ich am Anschlag der Lamello-Fräse die Abstandsplatte angeklickt, die Lamellos sollen schließlich auf der anderen Seite nicht wieder raus kommen. 🙂

Fertige Lamello-Schlitze
Einfräsen der Lamellos für das Querholz in die Seitenteile

Beim Einfräsen der Lamellos für das Querholz in die Seitenteile habe ich das Querholz als Anschlag genau ausgerichtet und mit Schnellspannern befestigt. Auf diese Weise konnte ich beide Schlitze direkt nacheinander exakt fräsen.

Letzter Schritt vor dem Verleimen ist das Abrunden der Kanten. Aufgrund der kleinen und handlichen Werkstücke habe ich das auf dem Frästisch gemacht. Der 3mm Abrundfräser ist schnell montiert und der Fräsanschlag und die Fräserhöhe entsprechend eingestellt.

Der Abrundfräser ist eingesetzt
Der Fräsanschlag wird am Kugellager des Fräsers ausgerichtet
Die Kanten des Querholzes werden abgerundet

Vor dem Verleimen habe ich dann alle Teile erstmal trocken zur Probe zusammengesteckt – sieht schon ein bisschen so aus wie im Sketchup-Modell, immer wieder erstaunlich. 🙂

Probeweise zusammengesteckt

Scheint alles zu passen, also geht’s gleich weiter mit dem nächsten Schritt: Schleifen. Mit dem ROTEX im Feinschliffmodus habe ich alles mit 120, 180 und 220 Korn geschliffen. An den abgerundeten Kanten kam das weiche Schleifpad mit einem Abranet-Schleifgitter von Mirka zum Einsatz, damit erziele ich in kurzer Zeit echt gute Ergebnisse.

Alle Teile werden bis 220 Korn geschliffen

Jetzt wird’s ernst: Es wird verleimt. Da es bei 8 Minuten offener Zeit vom D4-Weißleim schnell gehen muss, habe ich alles vorab bereitgelegt.

Das Verleimen kann beginnen
Die Zwingen warten auf ihren Einsatz

Nach kurzer Zeit sind die vier Teile verleimt und die letzten Zwingen sind dran. Alles noch mal auf Rechtwinkeligkeit kontrollieren – Passt, Phu, geschafft 🙂

Der Hocker ist „bezwungen“
Zulagen helfen beim Verleimen des Querholzes

Nachdem der Leim ausgehärtet ist, habe ich die Leimfugen gesäubert und die Kanten an den Gehrungen mit dem Schleifklotz gebrochen.

Fertig verleimt
Die Gehrungen sind ganz gut gelungen
Das Querholz sitzt an Ort und Stelle

Der letzte Akt kann beginnen: Die Oberflächenbehandlung. Geschliffen ist ja schon alles, vor dem Ölauftrag habe ich den Hocker aber erstmal gewässert und geglättet. Dann habe ich das Öl mit einem Schwamm aufgetragen. Nach 15 Minuten wurde der Überstand abgenommen und alles mit dem ROTEX und einem grünen Schleifpad bearbeitet. Jetzt heißt es: Warten – am nächsten Tag geht’s weiter.

Der erste Ölauftrag ist vorbereitet

Nachem der erste Ölauftrag 12 Stunden Zeit zum Trocknen und Aushärten hatte, habe ich alles mit 240 Korn von Hand abgeschliffen und danach mit Saugpinsel und Honigtuch vom Staub befreit. Jetzt kommt der zweite Ölauftrag. Auch hier wurde der Überstand nach 15 Minuten abgenommen und die Oberfläche dann mit dem ROTEX und einem weißen Polierpad poliert.

Fertig geölter Hocker
Die umlaufende Maserung ist gut zu sehen
Die polierte Oberfläche hat einen seidigen Glanz

Durch das Öl wurde die Maserung des Holzes sehr schön angefeuert. Das Holz ist auch etwas dunkler geworden und passt so hervorragend zu den anderen Möbeln im Raum.

Der Hocker ist im Einsatz
Der Hocker passt gut zu den anderen Möbeln

Ein Projekt, das mir echt viel Spaß gemacht hat. 🙂

 

2 Kommentare bei „Blumenhocker aus Eiche

  1. Ist das schön, handwerklich begabte Kollegen zu haben …

    Zu sagen, daß es gut aussieht, wäre noch untertrieben. Ich bin begeistert! Neben einem Schuß Individualität hat mein Wohnzimmer jetzt auch eine kleine Story zu bieten.

    Zu wissen, was dafür an Arbeitsschritten notwendig war, läßt meinen Respekt vor Deiner Arbeit und seinem Resultat noch einmal anwachsen. Vielen Dank!

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