Kreativ und Schön – Übung macht den Meister

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 5 der Serie Kreativ und Schön.

Weiter geht’s auf meinem Weg zum ersten Live-Drechseln. Nachdem die Werkzeuge geschärft waren, habe ich mir erstmal einige Stücke aus der Restholzkiste gesucht und angefangen, die verschiedenen Grundformen zu üben: Rundstab, Hohlkehle und V-Nut. Wie ich merken musste, war das auch dringend notwendig: Über ein Jahr Drechsel-Abstinenz und ich hatte nahezu alles vergessen 🙁Die ersten Versuche waren gruselig. Ich habe kaum das Werkzeug ansetzen können, ohne einen „Nürnberger“ zu produzieren – gut, ist vielleicht auch ein Talent, wenn auch kein gutes…

Nach einigem Selbststudium in meinen Büchern und ein paar Videos bei Youtube später hatte ich dann endlich den „lichten Moment“. Irgendwie haben sich die Bewegungen plötzlich vertrauter angefühlt und siehe da: Es funktionierte! 🙂 Ein erhebendes Gefühl.

Jetzt brauche ich ein paar Ideen, was ich schönes bei der Ausstellung drechsle, schließlich möchte ich da nicht nur Grundformen üben. Erste Idee: Ein Kreisel. Der ist nicht zu kompliziert und kommt sicherlich gut an. Bei der Gelegenheit habe ich aus einer alten Gitarrenseite mit zwei Rundhölzern ein Werkzeug zum Erzeugen von Brandspuren gebastelt. Dies habe ich dann gleich am ersten Kreisel ausprobiert. Zunächst mit dem Meißel ein kleine V-Nut herstellen, danach den Draht bei hoher Drehzahl fest in die Nut ziehen und schon riecht es nach angebranntem Holz. 🙂

Der erste Kreisel

Sehr dekorativ, finde ich. Behandelt habe ich das Buchenholz noch auf der Drechselbank mit Danish-Oil.

Da es langsam aber deutlich Herbst wird, sind sicherlich auch Teelichthalter eine gute Idee.

Bohren des Lochs für ein Teelicht
Ein Teelichthalter in Form eines Kelches

Diese beiden einfachen Werkstücke sind schon mal ganz gut geworden – es gibt also Hoffnung. Als nächstes habe ich mir ein Stück Bergahorn und etwas Walnuss hergenommen. Der Plan ist, einen Schneemann zu drechseln – aus zwei verschiedenen Holzarten. Als erstes den Körper aus dem Ahorn.

Ein erster Schneemann entsteht

Danach bekommt der Gute eine Nase verpasst. Die habe ich aus dem Nußbaum hergestellt, um einen Farbkontrast zu bekommen.

Eine Nase für den Schneemann
Schneemann mit Nase

Den Kopf habe ich auf dem Tellerschleifer leicht schräg angschliffen, so dass die Kopfbedeckung später ebenfalls etwas schräg sitzt. Hierfür habe ich im nächsten Schritt dann einen Hut aus dem Walnuss-Holz gedrechselt.

Ein Hut

Den Hut habe ich dann einfach auf den Kopf aufgeleimt.

Ein fertiger Schneemann

Langsam macht es richtig Spaß. Vieles funktioniert und es landet immer weniger in der Reste-Kiste. Nachdem der Schneemann im kleinen gut gelungen ist, habe ich mich an ein dickes Stück Kiefer gewagt. Aus dem habe ich ebenfalls einen Schneemann hergestellt, diesmal gleich in eins mit Hut.

Ein Schneemann aus Kiefer

Ein Thema blieb bisher noch unbehandelt. Nach Herbst und Winter möchte ich auch etwas weihnachtliches machen: Einen Tannenbaum. Aus einem Stück Mahagoni-Holz habe ich eine einfache Tannenbaum-Form hergestellt und mit dem Abstechstahl einfach kleine Vertiefungen eingebracht. Ergebnis: Ein moderner Tannenbaum.

Ein Tannenbaum aus Mahagoni
Winter-Weihnachts-Ensemble

Die Werke kamen auch bei meiner Familie gut an. Hier kam dann auch gleich die Idee: Ein Schneemann als Teelichthalter, das wär’s. Also gut, ein dickes Kiefernstück habe ich noch. Also los geht’s. Da die Kiefer-Stücke recht dick sind, habe ich die Kanten zunächst auf der Tischkreissäge im 45 Grad Winkel abgesägt, so dass eine achteckige Form entsteht. Dadurch muss ich beim Runddrehen deutlich weniger Material abtragen.

Kiefer für das Runddrehen vorbereitet
Rundgedrehtes Kiefernholz

Bei der Gelegenheit habe ich nach dem Runddrehen mit der Schrupp-Röhre das Schlichten mit dem Meißel geübt – das ergibt eine wirklich glatte Oberfläche. Als nächstes habe ich einen Bund für das Spannfutter angedreht, damit ich später die Oberseite „fliegend“ bearbeiten kann. Nach dem Einspannen in das Spannfutter habe ich dann aber erstmal mit Unterstützung des Reitstockes die Form des Schneemannes herausgearbeitet und danach das Loch für das Teelicht gebohrt.

Der Schneemann bekommt ein Loch in den Hut
Der Teelichteinsatz passt

Eine Nase soll der gute auch bekommen. Diese habe ich aus einem Stück Mahagoni hergestellt.

Eine Nase aus Mahagoni
Fertiger Schneemann-Teelichthalter

Weiter geht’s mit herbstlichen Stücken: Pilze. Hier habe ich ein Stück Wacholder herausgesucht, dass ich schon vor einer Weile geschenkt bekommen habe. Beim drechseln verbreitet sich dann immer so ein schöner Duft. 🙂

Zwei Pilze

Den zweiten Pilz habe ich aus frischem Holz gedrechselt, das mir der letzte Sturm „zugeweht“ hat. Ich habe es gleich eingeölt und bin mal sehr gespannt, ob es demnächst noch Risse bekommt.

Das letzte Übungsobjekt soll ein Kerzenhalter werden, ähnlich dem, den ich damals beim Grundkurs gedrechselt habe – nur diesmal ohne Hilfe vom Profi. 😉 Das wird quasi die Generalprobe: Wenn das gelingt, habe ich mir genügend Selbstvertrauen für den „Auftritt“ erdrechselt.

Vorlage und Kantel

Erstmal das Buche-Holz runddrehen und auf die maximale Dicke der Vorlage bringen. Dann die nächst dünneren Teile des Profils übertragen, einstechen und die Form mit der Röhre herstellen.

Stirnseitige Bohrung im Kerzenhalter
Vorlage und Werkstück

Jetzt werde ich die verschiedenen Formen noch ein paar mal üben und bei der Gelegenheit einige Ausstellungsstücke produzieren.

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